Trinkwasser - ein absoluter Wert

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2 Prinzip der Ressourcenwährung

Alle Ressourcen müssen betrachtet werden:

  • die ökologischen Kreisläufe selbst (Regenwald, Korallenriffe, …)
  • Stoffe, die wir aus den Ökosystemen entnehmen (Holz, Nahrungsmittel, …)
  • Stoffe, die in die Ökosysteme zur Aufarbeitung oder Lagerung eingebracht werden (Dienstleistung der Systeme)

Alle müssen grundsätzlich geschützt werden. Zu groß ist das Risiko eine Ressource zu übersehen und auszubeuten, bis es zu spät ist. Genauso wenig dürfen Ressourcen auf Kosten anderer  Ressourcen gespart werden (z.B. Rodung von Urwald für Biotreibstoffe um CO2 Emissionen zu sparen). Der Ressourcenverbrauch muss insgesamt zurückgehen.

Um den Wert der Ressourcen zu repräsentieren, nehme ich eine Gärtnerin an, die für alle Ökosysteme und Ressourcen unseres Planeten verantwortlich ist und uns Ressourcenüberschüsse verkauft. Die Gärtnerin ist die Interessenvertreterin des Gartens und ein Geschäftspartner für uns Menschen.  Eine Gärtnerin und das Bild eines Gartens veranschaulicht die Ressourcenbegrenztheit der gefühlt unermesslichen Größe unserer Erde. Eine Gärtnerin ist weniger abstrakt als „die Natur“, „die Ökosysteme“ usw. Als Person hat sie Interessen und kann Forderungen stellen.

Die Gärtnerin will die Ökosysteme stabilisieren und wiederherstellen. Sie strebt eine perfekte Nachhaltigkeit an. Dabei möchte sie uns keinesfalls unnötig einschränken oder gar beherrschen. Ganz im Gegenteil: Sie ist den Menschen wohlgesonnen und will unser Fortbestehen ermöglichen. Mit dem Garten schützt sie auch uns Menschen. Sie möchte uns anspornen und motivieren nachhaltige Verhaltensweisen und Technologien zu entwickeln.

Idealerweise würde die Gärtnerin die pro Periode (Monat) vom Garten generierten Ressourcen abschätzen und bestimmen, welcher Anteil uns zur Verfügung gestellt werden kann. Den Wert der Ressourcen misst sie in ihrer eigenen Währung REU (Ressource Equivalent Unit) und verschenkt diese Summe gleichmäßig an alle Menschen.

Immer wenn wir Ressourcen nutzen oder gefährden. müssen wir dies aus dem geschenkten REU Budget bezahlen.

REU, die wir an den Quellen zahlen müssen, führen dazu, dass alle Produkte und Zwischenprodukte einen zweiten Preis in REU erhalten. Egal wie lang und kompliziert die Wertschöpfungskette ist, REU-Kosten werden von der Ressourcenentnahme bis zum Endverbraucher weitergereicht. Der REU Preis wird eine Abschätzung des ökologischen Fußabdrucks für jedes einzelne Produkt.

Da das monatliche REU Budget begrenzt ist, entsteht die Notwendigkeit Produkte zu entwickeln und zu kaufen, die geringe REU Kosten verursachen. Dies entspricht genau den Optimierungsmechanismen, die bisher mit den klassischen Geldkosten und großer Genauigkeit funktionieren. Unser gesamtes wirtschaftliches Handeln erhält ein zweites Optimierungsziel.

Für die neue Währung ist wesentlich, dass sie unabhängig von unserem klassischen Geld ist und den begrenzten Ressourcen ein begrenztes REU Budget gegenübersteht, detaillierte Begründungen finden sich im Kapitel 4.

Im Moment verbraucht die Menschheit circa 1.6-mal so viele Ressourcen wie entstehen [2], einzelne Länder sogar noch erheblich viel mehr. Würde das REU Budget genau dem verfügbaren Überschuss entsprechen, wären viele Menschen einige Monate vor Jahresende zahlungsunfähig und könnten keine weiteren Ressourcen nutzen. Darum muss die Gärtnerin anfänglich auf einen Kompromiss eingehen und wird zu Beginn sehr viel großzügiger sein. Sie schätzt den aktuellen  Ressourcenbedarf, bewertet ihn in  REU bewertet und zahlt das REU Budget aus. Wir könnten also zunächst weiter über unsere Verhältnisse leben.
Das REU Budget wird kontinuierlich verringert, so dass ressourcenschonende Produkte attraktiver werden. Der Earth Overshoot Day wird sich in Richtung Jahresende verschieben bis sogar noch Ressourcen übrigbleiben. Dies bedeutet, dass wir nachhaltig leben und die Ökosysteme sich erholen.

Die Gärtnerin agiert ähnlich wie ein Unternehmen, das den Preis für seine Produkte festlegt. Allerdings gibt es wichtige Unterschiede: Ein Unternehmen wird seinen Kunden nicht vorher das Geld zum Kauf der Produkte schenken, die Gärtnerin schon. Die Gärtnerin strebt auch keine Umsatz- oder Gewinnsteigerung an. Im Gegenteil: Eigentlich möchte sie nichts verkaufen, denn das ist immer mit einer Schädigung des Gartens verbunden. Sie wird und kann die Produktion von Ressourcen auch nicht steigern, um den Markt mit einem erfolgreichen Produkt zu überschwemmen und ihre REU Einnahmen zu maximieren. Ihr erstes Ziel ist der Erhalt des Gartens und das zweite Ziel ist das Fortbestehen der Menschheit.

Um die Dimension der Umweltgefährdung und unsere Verantwortung deutlich zu machen, ziehe ich Überlegungen aus Kapitel 8.18.1 vor. Zur Vereinfachung betrachte ich nur CO2 Emissionen, auch wenn prinzipiell alle relevanten Ressourcen berücksichtige werden müssen.

Wenn angenommen wird, dass jedem Menschen ein Budget von 1000 REU pro Monat zur Verfügung stünde und alle Menschen zusammen mit diesem Budget die CO2 Emissionen von 2012 (34.5 Gigatonnen) bezahlen müssten, ergäbe sich ein Preis von 2,43 REU für jedes Kilo CO2. Und das ist schon ein sehr großzügiger Kompromiss, da der CO2 Ausstoß sehr viel geringer sein müsste, um den Klimawandel zu bremsen. Umso beunruhigender sind darum diese Fakten:

Ein Economy Linienflug Stuttgart nach Barcelona und zurück verursacht 736 kg CO2 Emissionen [3],  d.h. für diesen Flug müssten 1788 REU bezahlt werden. Das ist fast ein 2-monats REU Budget.

Ein PKW erzeugt ca. 15kg CO2 auf 100km.  Bei einer Jahreslaufleistung von 12.000km entspricht das 4.374 REU, also ca. 1/3 des Jahresbudgets. Die Herstellung eines PKWs ist nicht einmal berücksichtigt und sprengt das Jahresbudget komplett.

Noch beeindruckender ist, dass in Indien die jährlichen Pro-Kopf Emissionen nur bei 1600 kg CO2 liegen, d.h. ein Inder müsste im Jahr 3.888 REU für seine gesamten CO2 Emissionen bezahlen, hätte aber am Jahresende ein ungenutztes Budget von 12.000 – 3.888 REU = 8.112 REU. Diesen REU Betrag könnte er an andere Menschen mit höherem Ressourcenverbrauch verkaufen. Der Preis würde  durch Angebot und Nachfrage geregelt, wobei es natürlich viel besser wäre, wenn jeder versucht innerhalb seine Budgets zu bleiben. 

Mit diesen Zahlen wird deutlich wie viele Menschen sehr wenige Ressourcen verbrauchen und wer die eigentliche Verantwortung hat.

Wird im Laufe der Zeit der CO2 Kilopreis verdoppelt, müssen sich die CO2 Emissionen halbieren, denn mehr CO2 Emissionen könnten wir mit unverändertem Budget nicht bezahlen. In der Übergangszeit gäbe es eine sehr starke Motivation CO2 zu sparen.

Die Preise scheinen sehr hoch zu sein, aber sie spiegeln exakt den Wert der CO2 Ressourcen wieder und wieviel CO2 jeder Einzelne zu verantworten hat.

Copyright © 2019 | Martin Huck | E-Mail: info@resource-equivalent-unit.de

 
 
 
Eine parallele Ressourcenwährung für mehr Nachhaltigkeit