Kreisläufe sind die Grundlage für alles

zurück     weiter

4 Notwendigkeit einer parallelen Ressourcenwährung

 

4.1Die Gärtnerin hat keine Verwendung für unser Geld

 

Würde die Gärtnerin für die Ressourcen unser Geld annehmen, müsste sie es auch wieder ausgeben. Aber wofür? Und wenn sie etwas von uns kaufen würde, stünde das Geld früher oder später den Menschen wieder zur Verfügung, um erneut Produkte und damit Ressourcen zu kaufen.  Mit jeder Zirkulation zwischen Gärtnerin und Menschen würden erneut Ressourcen verbraucht.

Die Gärtnerin könnte mit dem Geld Ökosysteme stärken. Dabei würde sie das Geld wieder an die Menschen übertragen und es wäre wieder im Geldkreislauf mit dem resultierenden Ressourcenverbrauch. Es gäbe vielleicht eine Verlangsamung des Ressourcenverbrauchs aber keine Limitierung. Am Ende hätten wir doch alle Ressourcen mit unserem Geld gekauft, d.h. verbraucht.

Hinzu kommt, dass wir unser Geld beliebig  manipulieren können. Dies ist beim REU nict möglich. Die REU währung ist eine an die Ressourcen gebundene Währung.

 

4.2 Alle Ressourcen müssen berücksichtigt werden

 

Jedes Einsparen von Ressourcen kann ungewollte Nebeneffekte haben, da andere Ressourcen genutzt werden.

Wenn z.B. der CO2 Ausstoß durch diese Maßnahmen verringert werden soll:

  • Biosprit als Ersatz für fossile Energieträger verursacht problematische Monokulturen (Palmöl, Zuckerrohr, Raps, …), die den ursprünglichen ökologischen Wert der Flächen dauerhaft verringert. Im Moment der Abholzung des Primärwaldes wird vielleicht sogar mehr CO2 freigesetzt.
  • Elektroautos, selbst wenn sie mit Ökostrom geladen werden. Elektroautos benötigen Rohstoffe, deren Gewinnung die Ökosysteme sehr stark beeinträchtigt. Auch Ökostrom sollte nicht verschwendet werde, da er dann keine CO2 Energieträger ablösen kann.
  • Fotovoltaik Anlagen verbrauchen Rohstoffe zur Produktion und Flächen, die ökologisch weniger wert sind (Außer bestehende Dachflächen).
  • Eisenbahnlinien verbrauchen Fläche und zerschneiden die Landschaft.
  • Holzheizungen sind zwar CO2 neutral, aber sie verringern den ökologischen Wert von Waldflächen und erzeugen schädliche Rauchgase. Ein unbegrenzter Einsatz ist keine Alternative Heizenergie.

Erkennbar ist, dass jede CO2 Einsparmaßnahme zu einem andersartigen Ressourcenverbrauch führt. Dieser kann zwar relativ zur vorherigen Situation sehr viel geringer ausfallen, aber das Gesamtvolumen der neu genutzten Ressourcen kann die Ökosysteme trotzdem überlasten.  Letztendlich müssen sowohl weniger umweltfeindliche Technologien eingesetzt werden, als auch die Nutzung der Ressourcen insgesamt beschränkt werden.

Da das Ökosystem Erde ein stark vernetztes System mit unvorhersehbaren Wechselwirkungen ist, müssen alle Ressourcen grundsätzlich, präventiv und insgesamt geschützt werden.

Nur wenige Schlüsselressourcen (ökologische Entwertung von Flächen, Aufarbeitung und Lagerung von Schadstoffen wie CO2, Pestizide, Abfälle, …) müssen mit REU Kosten bewertet werden, um deren Verbrauch absolut zu begrenzen.

 

4.3  Natürliche Ressourcen können nicht mit menschlichem Geld bezahlt werden

 

Natürliche Ressourcen haben einen Preis. Allerdings keinen, den wir mit unserem Geld bezahlen können. Kein Lebewesen kann Ressourcen von der Natur abkaufen. Die Natur stellt Ressourcen kostenlos zur Verfügung. Allerdings sind Ressourcen nicht leicht zu gewinnen. Alle Lebewesen müssen sich um Ressourcen bemühen. Wir Menschen bilden scheinbar eine Ausnahme, denn wir können mit unserem Geld Ressourcen von anderen Menschen abkaufen. Es entsteht der Eindruck diese Ressourcen rechtmäßig erworben zu haben. Allerdings wurden auch diese Ressourcen ohne Bezahlung aus der Natur entnommen. Es gibt keine Währung, die von der Natur akzeptiert würde.

Der Preis, der von anderen Menschen für eine Ressource verlangt wird, bewertet nur menschliche Aspekte:

  • Besitzverhältnisse
  • Arbeitsaufwand, die Ressource zu gewinnen oder zu verarbeiten
  • Erfindungsreichtum, wie die Ressourcen zu verwenden oder umzuwandeln sind
  • Wer die Ressourcen entdeckt hat
  • Die zeitweise Überlassung eine Ressource

Der Geldpreis bewertet auch nicht im Geringsten den Wert der vom Ökosystem genutzten Ressourcen. Die Kosten für Ressourcen werden erst dann zu einer Konsumänderung führen, wenn die Kosten sehr hoch werden, weil die Ressource erschöpft ist. Dies ist dann aber viel zu spät.

Wenn eine Ressource mit wenig Aufwand an der Quelle zu gewinnen ist, wird der Geldpreis beim Weiterverkauf gering sein. Damit reflektieren die Geldkosten jedoch nicht den wahren ökologischen Wert. Zusätzlich werden Ressourcen sehr stark ausgebeutet, um trotz des geringen Geldpreises einen Gewinn zu erwirtschaften. Im Extremfall werden auf diese Weise fundamental wichtige ökologische Ressourcen verschwendet oder vernichtet. Wenn z.B. Trinkwasser wenig kostet, wird damit verschwenderisch umgegangen. Das entnommene Wasser ist aber essentiell für die Funktion der Ökosysteme und verschmutztes Wasser kann die Systeme zerstören.

Beispiel Wald:                                                

Ein Waldbesitzer ist aus Sicht der Gärtnerin nur ein durch uns Menschen akzeptierter Waldverwalter: Im Idealfall ist er verantwortungsvoll und kümmert sich um den Wald. Er entscheidet wie viele Bäume gefällt werden können, wie der Wald genutzt und geschützt wird. Wenn er Holz verkauft, dann gibt der Preis nur seine Kosten und die menschlichen Besitzverhältnisse wieder, aber nicht den Wert für das Ökosystem. Insbesondere werden gefällte Bäume keine weiteren Ressourcen erzeugen können. Wird der Wald überbeansprucht, nimmt der ökologische Wert ab und die Ressourcenproduktion wird verringert, ohne dass hierfür jemand einen Preis an die Natur bezahlt.

Mit der REU Währung werden Ressourcen wertvoll, müssen bezahlt werden und bei Kaufentscheidungen berücksichtigt werden.

 

4.4  Begrenzte Ressourcen und unbegrenzte Geldmenge

 

Die klassische Geldmenge muss sich verändern, denn nur so können verschiedene volkswirtschaftliche Ziele erreicht werden, z.B. Inflation, Deflation, Wirtschaftswachstum. Sie muss auch im richtigen Verhältnis zur Gütermenge stehen [9] und sie wird durch den Staat beeinflusst.

Die anwachsende Güter- und Geldmenge hängt von vielen Faktoren ab, aber nicht ausreichend von den begrenzten natürlichen Ressourcen. Selbst wenn wir natürliche Ressourcen bei irgendeiner Instanz gegen unser anwachsendes Geld kaufen würden, könnte der Wert der Ressourcen nicht dem von uns selbst definierten Geldwert entsprechen.

Die REU Währung soll die zur Verfügung stehenden Ressourcen repräsentieren, die dem Gold beim Goldstandard entsprechen. Im Gegensatz zum Goldstandard, der ja auch nur funktionierte solange Menschen daran glaubten, haben natürliche Ressourcen und damit die REU Währung einen wahren, nicht zu interpretierenden Wert, der sich nicht willkürlich ändern lässt.

 

4.5  REU verändert unsere Sichtweise und unser Verhalten

 

In Kapitel 8.1 wird abgeschätzt, dass bei einem monatlichen REU Budget von 1000 REU pro Monat ein Flug Stuttgart nach Barcelona und zurück 1788 REU kosten würde. Erst wenn Ressourcenkosten in Relation zum Budget direkt sichtbar werden, werden die Konsequenzen klar. Eine Erhöhung des Geldpreises um die Ressourcenkosten, entspricht einer Inflation, die durch Lohnsteigerungen ausgeglichen wird.
Müsste ich die 1788 REU aus meinem Budget bezahlen, so würde ich mein Energieverbrauch drastisch reduzieren oder ich müsste anderweitig REU verdienen.

 

4.6  Ökonomie und Ökologie müssen das gleiche Ziel verfolgen

 

Werden nur klassische Kosten optimiert, gibt es sehr oft einen Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie, denn es geht primär darum klassische Kosten zu reduzieren. Z.B. ist die Idee einer Start-Stop Automatik im Auto schon sehr alt, hat sich aber lange nicht durchgesetzt, weil sie Mehrkosten verursacht. Erst durch (viel zu späte) gesetzliche Rahmenbedingungen wurde sie attraktiv, um den CO2 Ausstoß zu reduzieren.

Hätten Treibstoffkosten einen zusätzlichen REU Preis, so wären durch das begrenzte REU Budget effiziente, aber hochpreisige Produkte attraktiver. Z.B. gab es bereits 1999 den Lupo 3L TDI mit etwa 3 Litern Verbrauch auf 100km. Dessen Produktion und Weiterentwicklung wurde damals aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, wäre unter Berücksichtigung von REU Kosten und dem begrenzten Budget sehr viel attraktiver gewesen. 

 

4.7 Umweltkosten müssen leicht erkennbar sein

 

Der Verbraucher verfolgt viele Optimierungsziele bei Kaufentscheidungen. Im Moment optimiert er die klassischen Produktkosten, die Qualität und vielleicht auch noch die Langlebigkeit. Viele Verbraucher berücksichtigen auch ökologische Aspekte, aber dies geschieht auf freiwilliger Basis. Die Reduktion des Ressourcenverbrauchs ist nur ein sehr untergeordnetes Optimierungsziel, so lange es (scheinbar) unendliche Ressourcen gibt.

Dabei müsste es eigentlich umgekehrt sein: Produkte, die durch einen hohen Ressourcenverbrauch billig herzustellen sind, müssten teuer sein. Produkte mit weniger Ressourceneinsatz oder weniger schädlicher Produktion sind aufwändiger in der Herstellung und müssten günstiger sein.

Oft wird versucht umweltschädliche Produkte zu verteuern, so dass ihr Kostenvorteil verringert wird, z.B. durch Steuern. Aber auch Steuern zirkulieren letztendlich zwischen den Menschen und verursachen erneute Ressourcenverbräuche4.5.  Darüber hinaus ist nicht sicher, ob Steuern dauerhaft den Ressourcenverbrauch begrenzen können, siehe 3.7.

Eine Vermischung von klassischen und ökologischen Kosten in einem einzigen Preis löst keine Kaufentscheidungen für nachhaltige Produkte aus, wenn ein weniger ökologisches Produkt nicht deutlich verteuert würde. Z.B. ist die Ökosteuer auf Treibstoffe im Gesamtpreis kaum zu erkennen und sie ist vielen nicht einmal bewusst.

Dagegen werden mit einem separaten Preis ökologischen Kosten auf einfachste Weise sichtbar und der Konflikt aufgelöst: Umweltschädliche Produkte haben einen niedrigen klassischen und einen hohen REU Preis, weniger schädliche Produkte einen hohen klassischen und einen niedrigen REU Preis.

Durch die Begrenzung des REU Budgets und des klassischen Geldes muss jeder abwägen, ob er REU, klassische Kosten oder beides optimieren möchte. Letztendlich werden auch alle Produzenten die neuen Kaufkriterien der Verbraucher aufgreifen müssen und Produkte mit niedrigeren REU Kosten entwickeln.

 

4.8 Ressourcenverschwendung durch Unwissenheit oder Ignoranz

 

Es wird immer Menschen geben, die durch Unwissenheit - oder schlimmer durch Ignoranz – übermäßig Ressourcen verbrauchen. Durch den angezeigten parallelen REU Preis können Ressourcenkosten nicht mehr ignoriert werden und jeder muss sein Verhalten anpassen. Genauso kann man nicht dauerhaft mehr Produkte konsumieren, als mit dem verfügbaren Geld bezahlt werden können. Dies ist analog zu klassischen Schulden, die irgendwann den übermäßigen Konsum bremsen.

 

4.9 Es gibt keine REU Schulden bei der Gärtnerin

 

REU Schulden darf es beim Gärtner nicht geben, denn sie bedeuten einen unzulässigen Ressourcenverbrauch, der nicht mehr nachhaltig ist, s. 10.3. Gäbe es REU Schulden bei der Gärtnerin, würden Ökosystem sofort ausgebeutet und vernichtet werden. Die REU Währung muss jedoch immer im Gleichgewicht mit dem momentan verfügbaren Ressourcenüberschüssen sein.

 

4.10 Inflation, Deflation

 

Die verschenkten REU entsprechen idealerweise dem momentan verfügbaren Ressourcenbudget. Wir können das REU Budget nicht willkürlich erweitern.  Die Ressourcen sind wie ein absoluter und realer Goldstandard. Wenn die Ökosysteme sich verschlechtern oder verbessern, werden entsprechend weniger oder mehr REU ausgezahlt oder die Ressourcenpreise erhöht.

In der Einführungsphase wird es eine kontrollierte Inflation der REU Preise geben, da Ressourcenpreise erhöht werden und nach und nach weitere Ressourcen berücksichtigt werden.

Wenn alle Ressourcen stabil an den Quellen bewertet werden und ihre Preise konstant bleiben, werden die REU Kosten für Produkte jedoch abnehmen, weil sie ressourceneffizienter hergestellt oder eingesetzt werden. Dies wäre dann eine Deflation der REU Preise.

Jedoch ist zu vermuten, dass Menschen ihr Budget weiterhin ausschöpfen und so alle verfügbaren Ressourcen nutzen. Dies sollte jedoch verhindert werden, damit ungenutzte Ressourcenüberschüsse die Ökosystem wieder stärken und stabilisieren. Die Gärtnerin wird darum das Ressourcenbudget der Menschen kontinuierlich reduzieren.

Die Ressourcenpreise sollten im stationären Zustand (alle Ressourcen sind bewertet) möglichst konstant bleiben, damit sich sinnvolle Indizes bestimmen lassen, s 4.14.

 

4.11 Wohlstand darf keinen überproportionalen Ressourcenverbrauch verursachen

 

In [10] ist zu entnehmen, dass z.B. mit steigendem Einkommen der Energieverbrauch zunimmt. Es ist plausibel, dass mit steigendem Einkommen auch insgesamt ein steigender Ressourcenverbrauch einhergeht, denn proportional zum verfügbaren Geld können Produkte erworben und damit Ressourcen verbraucht werden.

Selbst wenn das verfügbare Kapital nicht für Konsumzwecke eingesetzt wird, wird es investiert um Zinsen zu erwirtschaften. Diese Investitionen verursachen dann ihrerseits den Ressourcenverbrauch. Nur Geld, das physisch gelagert wird, verursacht keinen weiteren Ressourcenverbrauch.

Grundsätzlich ist nichts gegen Wohlstand einzuwenden, aber momentan können Menschen je nach finanziellen Möglichkeiten exklusiv und im Übermaß Ressourcen nutzen, die eigentlich allen Menschen zur Verfügung stehen sollten. 

Mit der parallelen Währung und dem gleichen Budget für jeden Menschen würde der Ressourcenverbrauch insgesamt und je Mensch begrenzt. Trotzdem können wohlhabende Menschen nach wie vor von ihrem Wohlstand profitieren:

  • Sie können sich für nachhaltige, teurere Produkte mit geringeren REU Kosten entscheiden.
  • Ihr Kapital können sie einsetzen um Ökosysteme stärken. In Zukunft wird es viele neue Investitionsmöglichkeiten geben, die bisher nicht attraktiv waren. Ein Teil der ökologischen effektiven Ressourcengewinne könnten in REU ausgezahlt werden.
  • In einer Übergangszeit können wohlhabende Menschen REU von weniger wohlhabenden abkaufen.

Je größer der Wohlstand und damit der Ressourcenverbrauch, desto größer ist die Verantwortung nachhaltig zu leben. Hinzu kommt, dass eine Verhaltensänderung zu mehr Nachhaltigkeit bei wohlhabenden Menschen einen viel größeren Effekt hat.

Im Übrigen gibt es sehr viele wohlhabende Menschen, die sich im Umwelt- und gesellschaftlichen Bereich engagieren und erkannt haben, dass Wohlstand nur dann Sinn macht, wenn die Ökosysteme funktionieren.

 

4.12  Importierte Ressourcen werden korrekt bilanziert

 

Viele Länder führen eigene Statistiken mit denen z.B. die Entwicklung ihrer CO2 Emissionen beobachtet werden. Diese Statistiken müssen aber Ressourcen der importierten und auch exportierten Waren berücksichtigen. Diese Bilanzierung wird zurzeit nicht gemacht oder sie wird nur sehr grob geschätzt. Indem alle Export- /Importgütern einen REU Preis besitzen, wird der Ressourcenverbrauch sehr genau dem eigentlichen Nutzer des Produktes zugeordnet.

4.13  REU Kosten als Optimierungsziel

Der REU Preis wird nach marktwirtschaftlichen Gesetzen gebildet und wie bei normalem Geld kann eine Kostenverteilung bestimmt werden. Z.B. kann für jedes Produkt exakt gesagt werden wie hoch die klassischen Geldaufwendungen für Personal, Rohstoffe, Energie, Infrastruktur usw. sind.

Eine Analyse der REU Kosten liefert dagegen die Ursachen für einen hohen REU Preis. Die Analyse ist wichtig, um Produkte zu verbessern: Nur wer erkennen kann, welche Produktions- oder Vorproduktvarianten sich wie im Endprodukt REU Preis abbilden, kann die Produktherstellung auf niedrige REU Kosten optimieren.

Der Verbraucher kann nicht entscheiden, welche konkreten Ressourcen im Produkt gebunden sind. Er sieht nur die ökologischen Gesamtkosten. Trotzdem wird der Verbraucher sein Verhalten optimieren und den Ressourcenverbrauch verringern. Dies funktioniert wie mit klassischem Geld, dort ist der Verbraucher ebenfalls nicht an einer kompletten Aufschlüsselung aller Produktionskosten interessiert, sondern seine Entscheidungen trifft er mit dem Gesamtpreis.

 

4.14  REU ist ein hochaggregierter Index zur Umweltkostenanalyse

 

Ein im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführte Studie [11], Seite 17, beschreibt die Eigenschaften eines hochaggregierten Index:

Ein solcher Index sollte mindestens folgenden Ansprüchen genügen:

  • intuitiv verständlich (idealerweise in einer bekannten Einheit)
  • geeignet für ein Benchmarking zwischen Staaten oder Regionen
  • geeignet für Zeitreihenanalyse
  • Aggregation methodisch fundiert und nachvollziehbar
  • Umgang mit Unsicherheiten und fehlenden Daten transparent und methodisch nachvollziehbar

Vor allem sollte der Index eine neue Perspektive ermöglichen. Dies bedeutet auch, dass er nicht eins zu eins den bereits bestehenden Indizes bspw.  – BIP - folgen sollte. Er sollte also Redundanz vermeiden.“

Viele dieser Anforderungen werden durch die REU Währung erfüllt:

REU ist eine weitere Währung und als solches genauso intuitiv wie andere Währungen auch. Niemand muss unzählige Umweltbilanzen und Umweltvergleiche auswendig lernen, um ökologische Produkte zu erkennen. Ein einfacher REU Kostenvergleich reicht aus.

Benchmarking ist möglich, genauso wie beim BIP, aber bezogen auf die Ressourcen. REU Kosten können Regionen und Staaten zugeordnet werden. Darüber hinaus findet das Benchmarking zur Kostenoptimierung auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette statt, bis hin zum Endprodukt für den Verbraucher.

Die zeitliche Entwicklung der REU Bilanzen ist ein Indikator dafür, ob eine Wirtschaft nachhaltiger wird.

Aggregation findet während der Produktherstellung statt und ist genauso fundiert und nachvollziehbar wie die Preisgestaltung mit herkömmlichem Geld.

Fehlende und unsichere Daten sind natürlich zu vermeiden aber im gewissen Maß tolerierbar, siehe 7.5.1.6.              

Über die Indexfunktion liefert der REU konkrete und permanente Handlungsanweisungen an Produzenten und Verbraucher:

  1. Wähle den günstigsten REU Preis aus.
  2. Verbrauche nicht mehr REU als zur Verfügung stehen.
  3. Optimiere Produktionsabläufe, Materialen, Zwischenprodukte.
  4. Betrachte die ökologischen Gesamtkosten über den Lebenszyklus.

Eine wichtige Forderung, die oben nicht aufgeführt wurde, ist die Dynamik des Index. So wurde beim mittlerweile eingestellten Deutschen Umweltindex (DUX) kritisiert, dass Veränderungen im Index zu langsam sichtbar wurden [11] , Seite 16.

Der REU Preis wäre ein sehr dynamischer Index, da REU Preise mit geringer Latenzzeit von allen Marktteilnehmern permanent bestimmt werden.  

Natürlich verursacht die Bildung der REU Preise auch einen Zusatzaufwand. Aber dieser Aufwand wird nicht von einer zentralen Institution in großen Zeitabständen geleistet, sondern parallel durch jeden einzelnen Marktteilnehmer.

Gleichzeitig ist der Index aber eine Währung und nicht nur unverbindliche Information. Er stellt einen konkreten, zu bezahlenden Wert dar und löst marktwirtschaftliche Prozesse aus.

Die REU Bilanz z.B. einer Nation, einer Gesellschaftsgruppe oder Produktgruppe, indiziert ihren Ressourcenverbrauch. Verschiedenste Indizes lassen sich leicht aus den REU Kosten ermitteln, genauso, wie es bisher mit dem klassischen Geld möglich ist.

Unter der Voraussetzung, dass keine weiteren Ressourcen betrachtet werden und die REU Kosten an den Quellen nahezu konstant bleiben, ergeben sich aussagekräftige Indizes.

Ähnlich zum Inflationsindex könnten z.B. monatlich die REU Kosten für einen Musterwarenkorb ausgerechnet werden. Allerdings ist zu hoffen, dass dieser REU Index kein Inflations- sondern ein Deflationsindex ist, d.h. dass für Produkte immer weniger REU ausgegeben werden müssen, weil sie nachhaltiger werden.

Allerdings heißt das nicht, dass bei fallenden REU Preisen mehr konsumiert werden darf, denn das REU Budget wird reduziert, bis sich eine ausreichende Nachhaltigkeit ergibt.

Jeder Mensch könnte seine REU Ausgaben mit anderen Menschen vergleichen und so sein Verhalten optimieren.

Neben dem Bruttosozialprodukt könnten die REU national bilanziert werden. Je niedriger die REU Bilanz ist, desto nachhaltiger arbeitet eine Volkswirtschaft.  Der Quotient aus Bruttosozialprodukt und REU Budget wäre ein Maß für die Ressourceneffizienz einer Volkswirtschaft.

 

4.15 Ressourcenschutz aus Egoismus

 

Jeder muss ein ganz eigenes Interesse daran haben, die Umwelt zu erhalten. Sie ist die Grundlage für seine Gesundheit, Wohlstand und Frieden.

 

4.15.1Wohlstand schützen

 

Jeder Wohlstand ist wertlos, wenn das Umfeld instabil wird. Die größten Probleme sind global und eine Eskalation bedroht jeden Wohlstand direkt oder indirekt:

Der Meeresspiegelanstieg kann dazu führen, dass Küstenstädte aufgegeben und sehr hohe Werte abgeschrieben werden müssen. Genauso können Klimaänderungen dazu führen, dass Siedlungsräume unbewohnbar werden, weil z.B. die Wasserversorgung zu teuer wird oder Landwirtschaft nicht mehr möglich ist.

Selbst diejenigen, deren Besitz nicht direkt betroffen ist, werden durch die Belastung der Wirtschaft oder eine wahrscheinliche globale Wirtschaftskrise einen großen Teil ihres Besitzes abschreiben müssen.

Hinzu kommt, dass durch Umsiedlungen sehr hohe Kosten entstehen (Infrastruktur, Gebäude, Industrieanlagen), die auch durch Steuern finanziert werden müssen. Denkbar ist, dass Grund und Boden für neuen Siedlungsraum enteignet wird. Ein Anstieg des Meeresspiegels ist auch kein lokal begrenztes Problem, wie z.B. das Reaktorunglück von Fukushima, sondern es wird gleichzeitig und an sehr vielen Küsten und Regionen auftreten, so dass massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu erwarten sind.

Neben den materiellen sind politische Folgen noch gravierender: Regierungen könnten stürzen und Länder in Anarchie versinken, wenn es um das nackte Überleben geht. Dabei werden, wie schon heute sichtbar, Bevölkerungswanderungen ausgelöst, die auch andere Länder destabilisieren können. Wohlhabende Länder, die langfristig und mit Weitsicht handeln, müssten ein überaus großes Interesse daran haben, die Umwelt weltweit wirksam zu schützen. Ressourcenprobleme werden auch auf sie zurückfallen.

Gerade diejenigen, die viel besitzen, riskieren den Verlust sehr großer materieller Werte und sollten ein ureigenes Interesse daran haben, dass sich die Ökosysteme nicht verschlechtern. Wenn sie einen Teil ihres Wohlstandes verwenden, um nachhaltig zu leben, ist das besser als jede klassische Versicherung, die im Falle einer globalen Krise schnell an ihre Grenze stoßen wird.

 

4.15.2 Ächtung vermeiden

 

Wer seinen Ressourcenverbrauch zur Schau stellt und Ressourcen vergeudet, die anderen Menschen fehlen, läuft Gefahr, dass sein Verhalten gesellschaftlich geächtet wird. Statt Anerkennung drohen Spott, Kritik und Kopfschütteln. Und wenn es hart auf hart kommt auch noch mehr. Luxus wird in Zukunft nur Sinn machen, wenn Ressourcen nicht vergeudet werden.

 

4.16 Gerechtigkeit

 

Ein naheliegendes Argument gegen die REU Währung lautet etwa so: „Reiche Menschen können REU kaufen und müssen ihren Ressourcenverbrauch nicht einschränken, wohingegen ärmere Menschen schon mit ihrem klassischen Geld nur schlecht auskommen und auch bei den Ressourcenkosten keinen Spielraum haben. Das verschärft die Ungerechtigkeit.“ In Härtefällen kann dies richtig sein, kann aber durch einige Maßnahmen verhindert werden:

  1. Die Ressourcenkosten werden nur langsam erhöht und jeder hat Zeit, seinen Ressourcenverbrauch umzustellen, s. 4.4.4.
  2. Die Gesellschaft muss dafür sorgen, dass auch ärmere Menschen Zugang zu ressourcenschonenden Produkten haben, s. 6.4
  3. Die Erde hat genug Ressourcen für jeden Menschen, wenn diese vernünftig eingesetzt werden. Wenn wir nachhaltig leben, steht jedem ein ausreichend großes REU Budget zur Verfügung.

Aber bevor derartige Details geklärt werden, stellt sich die Frage nach der Gerechtigkeit in der heutigen Welt. Kurzgefasst: Sie ist durch und durch ungerecht. Diejenigen, die maximal viele Ressourcen verschwenden, tun dies auf Kosten von Mitmenschen, die weniger Macht und Einfluss haben oder die noch nicht geboren sind. Diese Ungerechtigkeit ist viel gravierender als obige Einzelfälle.

Artikel 3 der Menschrechtscharta [12] sagt: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Hierfür ist der Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen eine Voraussetzung.  Ressourcen dürfen nicht von einer kleinen Gruppe verschwendet, zerstört oder exklusiv genutzt werden. Da wir heute Entscheidungen treffen, die langfristige Auswirkungen auf die Zukunft haben, sollte Artikel 3 unbedingt noch weiter gefasst werden und zukünftige Generationen einschließen.

Durch das Pro-Kopf REU Budget haben alle Menschen das gleiche Recht die natürlichen Ressourcen zu nutzen. Die übermäßige Nutzung der Ressourcen wird eingeschränkt und hilft so Artikel 3 zu erfüllen.

Sollten Menschen aufgrund der Lebensumstände ihr Budget nicht nutzen können, kann es an Menschen verkauft werden, die mehr Ressourcen verbrauchen, als ihnen zustehen. Dies ist zwar nicht gerecht, aber besser als die heutige Situation, in der sie überproportional die Folgen der Umweltzerstörung tragen müssen. Ziel ist, dass langfristig Ressourcen so nachhaltig verwendet werden, dass das REU Budget und damit die natürlichen Überschüsse ausreichen.
Sehr wohlhabende Menschen müssten ihren Lebensstil eventuell nicht ändern. Sie besitzen so viel Kapital, dass sie sich mit klassischem Geld beliebig REU kaufen könnten. Das würde die Kluft zwischen ressourcenschonenden und ressourcenverschwendenden Menschen öffnen. Vielleicht beschränkt sich dies auf eine Übergangsphase und nur auf verantwortungslose Menschen, deren Verhalten irgendwann gesellschaftlich geächtet wird.

Industrieländer haben einen zeitlichen und technologischen Vorteil gegenüber weniger entwickelten Ländern: Sie sind die ersten gewesen, die Ressourcen weltweit in großem Stil ausbeuten konnten. Z.B. wäre ohne Öl und Kohle ihr Wirtschaftswachstum nicht so rasant ausgefallen. Noch heute ist es so, dass viele Entwicklungsländer ihre Rohstoffe an Industrieländer verkaufen, ohne an der Wertschöpfungskette beteiligt zu sein oder sie erzeugen ihr Wirtschaftswachstum indem sie ebenfalls Öl- und Kohlevorkommen ausbeuten. Die Bevölkerung profitiert nur in geringem Umfang von diesen Ressourcen.

Entwickelte Länder sollten in ihrem eigenen Interesse nachhaltige Technologien weltweit günstig zur Verfügung zu stellen. Ressourcenprobleme werden auch auf sie zurückfallen (Bevölkerungswanderung, Sicherheit, …).

Der zu hohe Ressourcenverbrauch in Industrieländern wird dazu führen, dass klassisches Geld in Entwicklungsländer fließt. Dieses Geld sollte zum großen Teil dazu verwendet werden, deren Wirtschaft nachhaltig zu entwickeln.  Gegenüber Industrieländern haben sie vielleicht sogar einen kleinen Vorteil, denn Industrieländer müssen ihre Wirtschaft umbauen und Entwicklungsländer können direkt auf die richtigen Technologien setzen.

Natürlich wird es wie bisher Korruption und Misswirtschaft geben. Aber dies ist auch der Fall, wenn Entwicklungshilfe in Form von klassischem Geld geleistet wird.

 

4.17 Gerechtigkeitsempfinden

 

Aus Sicht der Menschen, die unter Umweltproblemen leiden, z.B. durch den Klimawandel, Vergiftung, Landenteignungen, schlechtes Trinkwasser und Nahrungsmittel, muss es als äußerst ungerecht empfunden werden, dass es andere Menschen gibt, die diese Probleme in besonderem Maße verursachen und zusätzlich noch Gewinne daraus erzielen. Und um diese Ungerechtigkeitslücke noch zu vergrößern, können sich die Hauptverursacher durch ihren Wohlstand vor den Folgen der Umweltzerstörung vorübergehend schützen.

Würden sich benachteiligte Menschen mit gutem Recht zu Wehr setzen, wäre niemandem geholfen. 

Wenn jeder seinen Ressourcenverbrauch mit dem gleichen REU Budget bezahlt oder zusätzliche REU verdienen muss, wird es zwar nach wie vor Menschen mit übermäßigem Ressourcenverbrauch geben, aber sie wären gezwungen einen Ausgleich zu schaffen. Dieser Ausgleich könnte als gerecht empfunden werden und gesellschaftliche Umbrüche unwahrscheinlicher machen. Zusätzlich würde die Begrenzung des Gesamtbudgets für alle Menschen zur Verbesserung der Umweltsituation beitragen.

Ich hätte z.B. nichts gegen SUVs wenn ich wüsste, dass die Ressourcen für diese Fahrzeuge und ihren Betrieb durch das REU Budget des Besitzer gedeckt ist. Luxus könnte von diesem Umweltmakel befreit werden und so würde die REU Währung auch dem SUV Besitzer nützen.

 

4.18 Keine Ökodiktatur oder Planwirtschaft

 

Die REU Währung ist alles andere als eine Ökodiktatur. Sie ist reine Marktwirtschaft, bei der Ressourcen ab sofort einen Preis haben. Dagegen ist unser heutiges Wirtschaftssystem eine unbeschränkte Diktatur in Beziehung auf die  Ausbeutung aller Ressourcen.

Auch ist die REU Währung keine Planwirtschaft: Niemand gibt vor was und wieviel produziert werden soll oder was benötigt wird. Vorgegeben wird lediglich wieviel die einzelnen Ressourcen kosten sollen, damit die Ökosysteme nicht überlastet werden. Dies ist aber vergleichbar mit einem Händler oder Unternehmer, der Preise so festlegt, dass er nicht bankrottgeht.

Copyright © 2019 | Martin Huck | E-Mail: info@resource-equivalent-unit.de

 
 
 
Eine parallele Ressourcenwährung für mehr Nachhaltigkeit