REU als leistungsloses Einkommen - ungerecht?
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Wäre es ungerecht, wenn Menschen nur vom REU Budget leben würden? Diese Frage kam während eines Gesprächs mit Freunden der Webseite saveclimate.earth auf. Für die REU Währung habe ich diese Antwort:

 

Es gibt verschiedenste Arten von leistungslosem Einkommen: Renten auf materiellen Besitz (vermietete Immobilien, verpachtete Flächen, …), Kapitalzinsen, usw. Hier soll nicht diskutiert werden ob diese wirklich leistungslos sind.

Bei der  REU Währung, die ja definitiv ein leistungsloses Einkommen darstellt, wird von manchem kritisiert, dass es Menschen geben wird, die ihr REU Budget nutzen, um davon ohne Arbeitsleistung zu leben. 
Es  wird als ungerecht empfunden, dass sie auf Kosten anderer leben: „Ich muss mich den ganzen Tag anstrengen und er liegt auf der faulen Haut und genießt das Leben!“.

 

Das ist natürlich viel zu oberflächlich betrachtet. Es wird vernachlässigt, dass dieser Mensch trotz der REU Zahlungen arbeiten muss: Einkaufen, Organisieren oder doch etwas Geld hinzuverdienen. Durch den REU wird sein Leben keinesfalls ein all-inklusive-Pauschalurlaub und zusätzlich muss er auf sehr viel verzichten.

 

Warum wäre das kein Show Stopper für die REU Währung?

 

Zunächst ist zu vermuten, dass nur ein kleiner Teil aller Menschen das System so ausnutzen  würde. Dies muss zum Wohle der Allgemeinheit akzeptiert werden, so wie es schon bei Sozialleistungen ist.

Würde man in Deutschland leistungslose Sozialleistungen zum Schaden vieler Menschen abschaffen, weil eine kleine Gruppe das System ausnutzt? Hoffentlich nicht. Es wäre auch unvernünftig, denn leistungsloses Einkommen soll Notsituationen überbrücken und letztendlich dazu führen, dass Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen, also für die Gesellschaft wieder produktiv werden.

 

Auch wenn das primäre Ziel der REU Währung Nachhaltigkeit ist, wäre sie für weniger wohlhabende Menschen eine Chance aus dem Armutskreislauf auszubrechen – ähnlich wie es bei Sozialleistungen ist.

 

Unter dem Nachhaltigkeitsaspekt ist unbedingt zu berücksichtigen, dass jemand mit geringen REU Ausgaben, zum Wohle der Allgemeinheit, einen geringen persönlichen Ressourcenverbrauch aufweist.  Dass die verkauften REU von anderen Menschen ausgegeben werden, steht auf einem anderen Blatt und liegt in deren Verantwortungsbereich.

 

Ein sehr viel grundsätzlicherer Aspekt ist, dass die gesamte Menschheit ein leistungsloses Einkommen in Form von natürlichen Ressourcen bezieht. Dieses Einkommen wird als selbstverständlich hingenommen und schien bis vor wenigen Jahrzehnten unerschöpflich.

Leider wird dieses Ressourceneinkommen nicht in Zahlen gefasst, nicht richtig bewusst und es ist vor allem sehr ungerecht verteilt. Über den Grund warum einige Menschen von diesen leistungslosen Einkommen überproportional profitieren, wird heftig gestritten, aber klar ist, dass diese Ungerechtigkeit dramatisch viel größer ist als diejenige wenn jemand von seinem REU Budget lebt. Menschen mit einem übermäßigen Ressourcenverbrauch leben auf Kosten anderer und gefährden die Lebensgrundlagen aller.

Sollte diese Gerechtigkeitsfrage nicht eher im Fokus stehen? Ist vielleicht jemand mit geringem Ressourcenverbrauch weniger ungerecht, als jemand mit hohem?

 

Primäres Ziel der REU Währung ist es, Ressourcen einzusparen. Als Nebenziel kann die Währung einen kleinen Gerechtigkeitsausgleich schaffen:

 

Sobald jemand natürliche Ressourcen nutzt, ist dies ein leistungsloses Einkommen. Niemand, der Kohle abbaut, hat eine Leistung erbracht, um die Kohle zu erschaffen. Seine Leistung besteht darin die Kohle zu entdecken, abzubauen, zu transportieren und aufzubereiten. Erst so kann sie von anderen Menschen genutzt werden. 


Jeder, der ein Stück Land bewirtschaftet, nutzt den Regen, die Sonneneinstrahlung,  die klimatischen Umstände, die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme, die über tausende von Jahren entstandene Humusschicht, ohne selber dafür eine Leistung zu erbringen. Seine Leistung besteht in der Urbarmachung, im Kultivieren, Ernten und Verarbeiten.

 

Diese Leistungen sollten weiter mit Geld honoriert werden. 

 

Die Ressourcen selber und Folgeschäden, die durch ihre Nutzung entstehen, müssen mit  REU bezahlt werden. Für den Besitzer der Kohlemine sind die REU Kosten nur ein durchlaufender Posten und sie werden weitergegeben. Die Besitzverhältnisse werden nicht direkt geändert. Indirekt gesehen würde der Wert der Kohlemine aber kontinuierlich abnehmen, denn die REU Währung hat den überlebenswichtigen Effekt, dass der Kohleumsatz zurückgeht.

 

Gleichzeitig erhält jeder ein REU Budget als Teilhabe an den Ressourcen.  Menschen mit hohem Ressourcenverbrauch und besonders schädlicher Lebensweise haben hohe REU Kosten und das größte Potential und Verantwortung nachhaltiger zu leben. 

Damit wird durch den REU Handel die Ungerechtigkeit beim Ressourcenverbrauch etwas kompensiert.

 

Fazit

 

Wer die REU Währung kritisiert, weil jemand auf Kosten anderer leben könnte, müsste der größte Fürsprecher für die Währung sein, denn der ungerechte Ressourcenverbrauch und die Beschädigung der Lebensgrundlagen auf Kosten aller, ist ein sehr viel größeres Problem.

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